Der jüngste NZZ-Geopolitik-Podcast (zur Sendung: auf obiges Bild *klicken*) mit der ehemaligen NATO-Strategin Stefanie Babst liefert eine eindringliche Mahnung: Russland nutzt Drohnen nicht nur als Waffen, sondern gezielt als Instrumente der Provokation und der psychologischen Kriegsführung. Wer auf diese Grenzverletzungen nicht reagiert, signalisiert nicht Neutralität, sondern Schwäche. Die zentrale Botschaft lautet: Drohnen, die in fremden Luftraum eindringen, müssen konsequent abgewehrt werden, damit keine neue Normalität völkerrechtswidriger Provokationen entsteht.
Für die Schweiz hat diese Analyse unmittelbare Relevanz. Unsere Neutralität entbindet uns nicht von der Pflicht, die Unverletzlichkeit des Luftraums und die Geltung des Völkerrechts zu verteidigen. Gerade weil wir in Europa wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch so eng verflochten sind, gefährden hybride Angriffe auf Nachbarstaaten auch unsere Sicherheit. Passivität würde die Glaubwürdigkeit unseres Neutralitätsverständnisses untergraben.
Die Schweiz muss in multilateralen Foren – UNO, OSZE, Europarat – klar Stellung beziehen und unmissverständlich erklären, dass Drohnenprovokationen und Grenzverletzungen nicht toleriert werden.
Aber auch gegen innen muss die Politik und die politische Führung eine klare Sensibilisierung und Haltung entwickeln und diese auch kommunizieren. Dies ohne dabei aktivistisch und panisch zu werden, mit dem Ziel, dass sich auch die breite Bevölkerung der globalen Gemengelage bewusst wird.
Es kann nicht sein, dass gemäss neuesten Umfragen nur gerade 12% der Leute Landesverteidigung als wichtiges Thema erachten. Die daraus entstehende Bereitschaft, mehr Ressourcen dafür zu verwenden, entsteht nicht von heute auf morgen. Mit nicht einmal 1% des BIPs ist verteidungstechnisch wahrlich kein Staat zu machen. Die vielbeschworene Unabhängigkeit und Freiheit haben ihren Preis, in Zeiten wie diesen sogar einen sehr hohen.
Parallel dazu braucht es eine nüchterne Bestandsaufnahme unserer eigenen Luftraumüberwachung und den Ausbau von Frühwarn- und Abwehrsystemen, um kritische Infrastruktur und den eigenen Himmel glaubwürdig schützen zu können. Die einseitige Konzentration auf die Beschaffung von sehr teuren und potenten Kampfflugzeugen ist zu hinterfragen.
Der sicherheitspolitische Austausch mit unseren Nachbarn, insbesondere der EU und der NATO-Staaten, ist zu intensivieren, damit wir nicht isoliert reagieren müssen, wenn Bedrohungen unser Territorium erreichen. Die Möglichkeit zur Deckung gewisser militärischer Fähigkeiten wie z.B. Drohnen- und Raketenabwehr durch Abschluss eines „Abonnements“ bei entsprechend gut aufgestellten europäischen Nachbarländern sollte ernsthaft in Erwägung gezogen werden.
Darüber hinaus ist es erforderlich, die Neutralität aktiv neu zu definieren: nicht als Schweigen, sondern als Haltung, die auf Prinzipien beruht und diese auch öffentlich verteidigt. Die Bevölkerung muss verstehen, dass hybride Bedrohungen – von Drohnen bis Cyberattacken – keine fernen Konflikte sind, sondern realistische Risiken für unser Land darstellen. Nur durch eine breite gesellschaftliche Sensibilisierung kann Resilienz entstehen.
Das politische Signal sollte klar sein: Die Schweiz bleibt neutral, aber sie ist nicht wehrlos. Sie verteidigt internationale Normen, schützt ihre Souveränität und trägt mit diplomatischer Klarheit und glaubwürdiger Verteidigungsbereitschaft zu einem stabilen Europa bei.
Neutralität im 21. Jahrhundert darf nicht mit Passivität verwechselt werden – sie muss aktiv gelebt, verteidigt und mit Inhalt gefüllt werden.


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